Wirtschaftliche Herausforderungen

Mit dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 wurde die Krise des Finanzmarktkapitalismus offenkundig. Die IG Metall hat mit Beginn der Krise den Erhalt von Arbeitsplätzen und Wertschöpfungsketten als wichtigste Herausforderung angesehen. Die IG Metall setzte sich erfolgreich für Arbeitszeitverkürzungen, den erleichterten Einsatz von Kurzarbeit, den Abbau von Arbeitszeitkonten, die Umweltprämie für das Abwracken von Altautos, Konjunkturprogramme und Hilfen für Betriebe bei der Kreditaufnahme ein. Unter Beteiligung der IG Metall-Betriebsräte und Vertrauensleute gelang es, hunderttausende Arbeitsplätze zu erhalten.

Die erfolgreiche Krisenintervention war die Voraussetzung für den schnellen konjunkturellen Aufschwung nach der Krise. Sie zeigt die Handlungsfähigkeit der IG Metall auf allen Ebenen und die Bedeutung von Mitbestimmung und Tarifverträgen. Die Wirtschafts- und Finanzkrise war eine Systemkrise des Finanzmarktkapitalismus. Die IG Metall zog aus ihr die entscheidende Lehre: Wir brauchen einen grundlegenden Kurswechsel in Wirtschaft und Politik. Denn Finanzmarktkapitalismus und marktradikale Politik sind mit einem “Guten Leben” für die Mehrheit der Menschen nicht zu vereinbaren. Die wichtigsten Eckpunkte dieses Kurswechsels sind unter anderem:

  • Orientierung der Ökonomie an den Leitzielen der Nachhaltigkeit
  • humanere Gestaltung von Arbeit, Ausweitung der Mitbestimmung, Demokratisierung der Wirtschaft
  • Bereitstellung öffentlicher Güter wie zum Beispiel Bildung, die jedem Einzelnen die Entfaltung seiner Perönlichkeit erlauben
  • Überwindung der verteilungspolitischen Schieflage und die Sicherung der finanziellen Handlungsfähigkeit des Staates
  • mehr Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger an politischen Entscheidungsprozessen
  • Regulierung der Finanzmärkte und deren effektive Besteuerung
  • Stabilisierung des Flächentarifvertrages und Sicherung der Tarifautonomie

Der zentrale Glaubenssatz des Marktradikalimus, dass es zur Herrschaft des Marktes keine Alternative gibt, hat an Überzeugungskraft eingebüßt. Immer mehr Menschen erkennen, dass es sich bei dem eingeschlagenen Weg um eine Sackgasse handelt. Ein grundlegender Kurswechsel wird umso eher gelingen, je mehr Menschen sich einmischen, zusammen an Alternativen arbeiten, sich in den Gewerkschaften organisieren und gemeinsam mit anderen Akteuren der Zivilgesellschaft wirken.

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