Im Osten tut sich was

Christian Kostyra

Kommenden Sonntag beginnt der IG Metall-Gewerkschaftstag in Karlsruhe. Einer der 481 Delegierten, die dort über die Schwerpunkte der IG Metall für die kommenden vier Jahre entscheiden, ist Christian Kostyra. Wir haben den Betriebsratsvorsitzenden der Solar-Firma Solibro in Thalheim bei Dessau zu seinen Erwartungen befragt.

Christian, hast du schon einmal an einem Gewerkschaftstag teilgenommen?
Nein, bisher nicht.

Mit welchen Erwartungen fährst du nach Karlsruhe?
Ich erwarte eine anstrengende Woche mit intensiven Diskussionen und langen Sitzungstagen, davor habe ich ziemlichen Respekt. Aber ich erwarte ebenso, dass wir Delegierten mit unseren Entscheidungen etwas bewegen werden. Vor allem habe ich dabei natürlich die Anträge aus unserem Bezirk Niedersachsen und Sachsen-Anhalt im Blick. Die IG Metall Magdeburg-Schönebeck hat zum Beispiel einen Satzungsantrag zur Finanzierung der Verwaltungsstellen eingebracht, der darauf abzielt, kleinere Verwaltungsstellen finanziell besser zu stellen.

Was sind für dich die wichtigsten Themen?
Ich persönlich sehe die geplante Reduzierung des geschäftsführenden Vorstands von sieben auf fünf Mitglieder sehr kritisch. Bei fast 2,3 Millionen Mitgliedern scheint mir das zu wenig. Meiner Meinung nach sollten dort auch weiterhin alle politischen Richtungen vertreten sein.

Was bedeutet es dir, deine Kolleginnen und Kollegen als Delegierter auf dem Gewerkschaftstag zu vertreten?
Natürlich ist es eine große Ehre für mich, von den rund 6000 Mitgliedern der IG Metall Dessau als ihr Vertreter gewählt worden zu sein. Schließlich ist der Gewerkschaftstag das höchste Entscheidungsgremium innerhalb der IG Metall.

Was hast du dir für die kommende Woche vorgenommen?
Ich möchte die Kolleginnen und Kollegen auf dem Gewerkschaftstag auf die Mitgliederentwicklung in Ostdeutschland aufmerksam machen. Da tut sich inzwischen richtig was. Das Beispiel von Solibro hat gezeigt, dass es möglich ist, innerhalb eines Jahres 50 Prozent der Beschäftigten eines Betriebes zu organisieren.

Gibt es etwas, worauf du dich besonders freust?
Ich bin auf die Diskussionen mit den Vertretern der Parteien gespannt. Da sind ja auch einige bekannte Namen dabei. Ich möchte gerne von ihnen erfahren, was sie zu den Auswüchsen des Finanzmarktkapitalismus zu sagen haben, deren Folgen wir täglich vor Augen geführt bekommen. Ich möchte wissen, wie sie rechtfertigen, dass Banken und Wohlhabende mit Milliardensummen gerettet werden, während auf der anderen Seite die Infrastruktur weiter ausgedünnt und privatisiert wird.

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