Gemeinsame Wirtschaftsregierung gefordert

Verdi veranstaltet derzeit den Bundeskongress in Leipzig. Das ist das Äquivalent zum Gewerkschaftstag der IG Metall. Dort hat sich die Gewerkschaft nun für eine gemeinsame europäische Wirtschaftsregierung ausgesprochen. Und Unterstützung von Berthold Huber, dem Ersten Vorsitzenden der IG Metall, erhalten: “Wir als Exportnation brauchen Europa. Deshalb dürfen wir uns nicht wegducken, wenn Europa uns braucht.”

Die IG Metall spricht sich für einen Kurswechsel in Wirtschaft und Politik aus. Wie der aussehen soll und wie er durchgesetzt werden kann, darüber werden die Delegierten auch auf dem Gewerkschaftstag beraten. Klar ist jedoch, dass sich die IG Metall für die Währungsunion und für den gemeinsamen europäischen Markt ausspricht.

Warum spricht sich Huber für Eurobonds aus?
Eurobonds helfen. Um die Zinslasten für Defizitländer wie Griechenland bezahlbar zu machen, spricht sich die IG Metall, wie etliche Wirtschaftsexperten, für “Eurobonds” aus. Das sind gemeinsame Euro-Anleihen aller Euroländer. Indem die wirtschaftlich schwachen gemeinsam mit den starken Ländern als Einheit auftreten, können sie bessere Konditionen für Kredite auf den Finanzmärkten durchsetzen, das heißt auch niedrigere Zinsen für die Defizitländer.

Und warum ist die IG Metall für eine starke gemeinsame (Wirtschafts-)Regierung?
Die IG Metall ist der Auffassung: Wenn das Projekt Europa auf Dauer erfolgreich sein soll, nützen Alleingänge nichts. Im Gegenteil: Wir brauchen mehr Europa. Sinnvoll sind gemeinsame Projekte, um über Investitionen die Wirtschaft zusätzlich anzukurbeln. Ein wichtiges Betätigungsfeld mit großen Zukunftsperspektiven ist beispielsweise die Energiewende. Vielleicht gelingt es, Entwicklungen anzustoßen, von denen auch der an Industrie arme, aber an Wind und Sonne reiche Süden profitieren kann. Der Ausstieg aus der riskanten Atomenergie und der Einstieg in eine attraktive alternative Stromerzeugung aus Wind, Sonne und Biomasse kann nur Länder übergreifend umgesetzt werden. Investitionen in die wirtschaftliche Zukunft Europas kosten viel Geld. An der Finanzierung sollten sich die Vermögenden in Europa beteiligen, zum Beispiel über “Zukunftsanleihen”, die fest verzinst werden. Um wirtschaftlich stark zu werden, muss Europa sich zu einer echten politischen Union entwickeln, die in der Wirtschaftspolitik an einem Strang zieht.

Gastbeitrag von Berthold Huber im Handelsblatt (10. August 2011)

Zehn Gründe für den Euro und die Währungsunion (19. August 2011)

Ähnliche Beiträge

Hinterlasse eine Antwort