2 Gedanken zu “Gewerkschaftstag 2011: Eindrücke von Dienstag, 11. Oktober

  1. Einige Impressionen vom zweiten Sitzungstag des 22. Ordentlichen Gewerkschaftstags der IG Metall in Karlsruhe.
    mensch, kollege, wir wollen keine impressionen, wir wollen fakten!!!! LIVESTREAM!!!!
    kapiert doch endlich, das es noch aktive gewerkschaftsmitglieder gibt, die sich selber ein bild vom verlauf des gewerkschaftstags machen wollen.
    und wenn es unter den delegierten ein paar feiglinge geben sollte, die ihr maul nicht aufkriegen, wenn es einen livestream gibt, dann macht wenigstens einen liveticker oder wisst ihr nicht, was das ist? z.b. : gerade wird der antrag nr. xxx abgestimmt, ergebnis : angenommen…..
    da wird viel von moderner ig-metall geschwätzt und wie sieht die realität aus: öffentlichkeit über pressevertreter, das einfache mitglied bleibt draussen. vielleicht denkt ein/e delegierte/r ähnlich und macht noch schnell einen initiativantrag: DER NÄCHSTE GEWERKSCHAFTSTAG WIRD ALS LIVESTREAM IM INTERNET ÜBERTRAGEN.

  2. Guten Tag.
    Heute morgen habe ich mir im DLF ein Interview mit dem IG Metall Vorsitzenden Berthold Huber angehört. Er beklagte die Situation in den unteren Lohngruppen. Dieses Thema beschäftigt mich seit ich kurz vor Beendigung meiner Lehre als 18 jähriger am 01.06.1951 in die IG Metall eingetreten bin. Da habe ich bereits gemerkt dass die jährlichen prozentualen Tariferhöhungen die “Armen” immer ärmer und die “Reichen” immer reicher machen. Gewerkschaftsfunktionäre hatten aber kein Interesse hier etwas zu ändern. Habe mich dann abgemeldet und mein Weiterkommen in die eigene Hände gelegt. Habe mich dann bis zum Elektro-Ingenieur hochgearbeitet und gehörte dann in den Kreis die davon profitierten. Als Rentner muss ich wieder feststellen dass meine Kaufkraft jährlich abnimmt. Zu diesem Thema habe ich in den letzten Jahren zahlreiche Sozialpolitiker, Parteien und Sozialverbände angeschrieben. Wenn überhaupt waren die Antworten dermaßen abartig dass ich an deren sozialer Kompetenz großen Zweifel habe.
    Ich wäre ihnen dankbar wenn sie mir auf folgende Punkte antworten könnten:

    1. Die Ursachen dass “Arme” immer ärmer und “Reiche” immer reicher werden sind die falschen Prozentrechnungen aller Verantwortlichen. Diese Methode prozentualer Einkommenserhöhungen wird bei uns schon über 60 Jahre von den Tarifpartnern erfolglos praktiziert. Dieses Schneeballsystem ist immer eine Umverteilung von unten nach oben.
    2. Die IG Metall fordert immer Prozente. Davon soll ein Teil die Inflationsrate abdecken. Da die Preise nicht in Prozent sondern in Euro und Cent steigen hat jedes Einkommen eine andere Inflationsrate. Kleinverdiener oft im 2-stelligen Bereich und bei größeren Einkommen kaum messbar. Einkommenszuwächse bei Großverdienern gehen auch nicht den Konsum sondern landen im Geldvermögen der Deutschen. Dieser Jackpot ist auf über 5 Billionen angewachsen und wächst noch schneller als die Schulden.
    3. Es gibt keinen einzigen Unternehmer oder Dienstleister der höhere Tariflöhne von irgendwelchen Gewinnen bezahlt. Diese Lohnkosten werden immer auf höhere Preise oder Personaleinsparungen abgewälzt. Geht ja auch nicht anders. Hier kann ich Ihnen ein Beispiel aus eigener Erfahrung bringen. Meine damals 90 jährige Mutter musste am 1. April 1999 in ein Pflegeheim. Kosten Pflegestufe 3 täglich 207 DM. Nachdem sich dann die Gewerkschaften mit einem Schluck aus der Pulle bedient haben stiegen diese Sätze ein Jahr später auf 221 DM. Das waren monatlich über 420 DM mehr. Dafür wurden dann die Pflegekräfte mit wenig und die Führungskräfte mit viel Geld bedacht. Tolles System! Da sich die Gewerkschaften soziale Gerechtigkeit auf ihre Fahnen geschrieben hat verstehe ich nicht dass sie nicht in der Lage sind oder wollen die Ursachen unseres ganzen Dilemmas zu erkennen und darzustellen. Obwohl dieses jeder wissen müsste werden diese Tatsachen weder von Medien, Parteien, Gewerkschaften und Wirtschaft publiziert.
    4. Nach laufend 2 stelligen Lohnerhöhungen in den 70 ern stellte auf Druck der Basis (1978?) die IG Metall unter Franz Steinkühler eine 320 DM Forderung für jeden auf mit guten Begründungen. Nach langen Verhandlungen, Protestversammlungen und Warnstreiks zog die IG Metall den Schwanz ein und es kamen wieder Prozente raus und die Mitglieder wurden brüskiert.

    Hier noch ein Leserbrief von mir der 2000 erschienen ist, viel Zustimmung bekam und das ganze System mit einfachen Sätzen entlarvt. Das blaugedruckte hat man zensiert. (gekürzt)

    Am 1. Juli sind die Renten um die Inflationsrate von 0,6% des Jahres 1999 erhöht worden. In Zahlen: Bei 1000 DM Rente um 6 Mark, bei 2000 DM um 12 Mark, bei 3000 DM um 18 Mark usw. Es soll keinem schlechter gehen, behauptet Arbeitsminister Riester. Dabei haben Preiserhöhungen bei jedem Einkommen eine andere Inflationsrate. Erhöhen sich z.B. die Heizkosten um 10 DM, fehlen dem Kleinrentner bereits 4 DM, der Besserverdienende hat noch 8 DM übrig. Diese Tatsachen werden einfach von den Politikern, Gewerkschaften, Kirchen und Medien verschwiegen. Deswegen, weil Kleinrentner und Kleinverdiener keinerlei Lobby haben, Gesetze und Tarifverträge von denen gemacht werden, die zuerst ihre eigenen Taschen füllen. die Umverteilung von unten nach oben wird auch bei der Rot-Grünen Regierung ungeniert fortgesetzt. Wehren kann man sich nur mit dem Stimmzettel. In den Papierkorb!

    Bitte um eine kompetente Kommentierung

    Mit freundlichen Grüßen

    Dieses Mail habe ich an den Vorstand der IG Metall geschickt. Heute kam folgende Antwort:

    Sehr geehrte Frau Kaufmann,
    vielen Dank für Ihre Email. Derzeit tagt der IG Metall-Gewerkschaftstag in Karlsruhe. Wie sich die IG Metall in Fragen Übernahme, gute Arbeit und faire Rente aufstellt, können Sie online nachlesen unter: http://www.igmetall.de/cps/rde/xchg/SID-EA88EF6A-818BBECA/internet/style.xsl/gewerkschaftstag-2011-muendliche-ergaenzungen-zu-den-8687.htm. Auch ein Blick in unser Gewerkschaftstagsportal dürfte Sie interessieren: http://www.igmetall-gewerkschaftstag-2011.de/.

    Mit freundlichen Grüßen

    Sylvia Stahl-Schindler

    IG Metall Vorstand
    FB Kommunikation, Presse und Medien
    Bild-/Redakteurin Onlinemedien

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