Beschlüsse zur Tarifpolitik: Mehr als höhere Entgelte

Arbeitszeit regulieren, Leiharbeit fair gestalten und junge Menschen nach der Ausbildung unbefristet übernehmen – diese Themen standen im Mittelpunkt der Debatte um die Tarifpolitik. Sie gehört mit zum Kerngeschäft der IG Metall. Vor allem soll der Flächentarifvertrag stabilisiert und die Tarifautonomie gesichert werden.

Auszubildende und Dual Studierende müssen nach bestandener Prüfung in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übernommen werden – einstimmig wurde in Karlsruhe ein entsprechender Antrag des 22. Ordentlichen Gewerkschaftstages angenommen.

Arbeitszeit regulieren
Viele Anträge gab es zur Arbeitszeit. Im betrieblichen Alltag gibt es die verschiedensten Realitäten und genauso viele Probleme. In vielen Bereichen wird die Arbeitszeit ausgedehnt und verfällt immer öfter. Immer häufiger wird flexibilisiert - in erster Linie wegen betrieblicher Anforderungen. Die Spanne reicht von Schichtarbeit bis zu unregulierter Projektarbeit, von Teilzeit bis hin zu überlangen Arbeitszeiten. Die Anforderungen an die Tarifpolitik der IG Metall sind also unterschiedlich. Die Delegierten fordern Arbeitszeiten, die mehr individuelle Zeitsouveränität bieten. Frauen und Männern muss eine gute Balance zwischen Beruf und Familie ermöglicht werden. Arbeitszeiten müssen gesundheitsförderlich und alternsgerecht werden, um Leistung und Arbeit wieder ein gesundes Maß zu geben.  Ausufernde Arbeitszeiten müssen tariflich begrenzt und die Belastungen reduziert werden.

Auch die immer älter werdenden Belegschaften erfordern eine tarifpolitische Antwort. Die Delegierten waren sich einig, dass älteren Schichtarbeitern das Recht eingeräumt werden muss, in andere altersgerechte Arbeitszeitmodelle zu wechseln.

Entgelte gerechter verteilen
Die IG Metall will zu einer gerechteren Verteilung der Einkommen beitragen. Noch immer liegen die Entgelte im Osten deutlich unter denen im Westen. Außerdem gibt es große Unterschiede innerhalb der europäischen LänEuropas. In Deutschland sind nur noch 66 Prozent der Erwerbstätigen in einem Normalarbeitsverhältnis beschäftigt. Immer mehr Menschen arbeiten zu einem Niedriglohn und in prekären Beschäftigungsverhältnissen. Hier gelten oft keine Tarifverträge. Die Delegierten fordern, die Zahl der Leiharbeitsbeschäftigten zu begrenzen. Diese Arbeits- und Entgeltbedingungen sollen nach dem Willen des Gewerkschaftstages an die tariflichen Bedingungen der jeweiligen Branche herangeführt werden.

Zum Thema Mindestlohn lagen neun Anträge vor. In Karlsruhe wurde beschlossen, dass die untersten Tarifentgelte in der jeweiligen Branche als Mindestentgelte gesichert werden. Außerdem fordern die Delegierten die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns von mindestens 8,50 Euro pro Stunde. Er soll bei Bedarf angemessen angepaßt werden.

Stahl, Metall- und Elektroindustrie
Bei der IG Metall ist Tarifpolitik das Geschäft der Bezirke. Die bezirklichen Tarifkommissionen stellen die Forderung auf, verhandeln mit den regionalen Arbeitgeberverbänden und erzielen letztendlich ein Tarifergebnis. Die Aufgabe des Gewerkschaftstages ist es, Grundsätzliches und den tarifpolitischen Rahmen zu beschließen, in dem diese Tarifrunden stattfinden. Demzufolge wurde in Karlsruhe auch keine Entgeltforderung für die nun anstehenden Tarifrunden bei der Stahl, sowie der Metall- und Elektroindustrie beschlossen.

Weder die bezirklichen Tarifkommissionen der Stahlwerker im Nordwesten, noch die der Metall- und Elektroindustrie haben bisher ihre Entgeltforderung beschlossen. Zur Zeit wird über den Forderungsrahmen diskutiert. Mit den prozentualen Lohnerhöhungen wollen sich die Tarifkommission wegen der noch schwer vorhersehbaren Wirtschaftsentwicklung erst ab Dezember befassen. Die Metall-Tarifverträge laufen zudem erst Ende März 2012 aus.

Verständigt haben sich die Tarifkommissionen aber bereits über andere Aspekte ihrer Forderungspakete: Auszubildende sollen unbefristet übernommen werden. Für benachteiligte Jugendliche sollen die Chancen auf einen Ausbildungsplatz verbessert werden. Außerdem wird es um Leiharbeit gehen. In der Metallindustrie ist Equal Pay für Leiharbeitnehmer bisher nicht tariflich geregelt. Geplant ist, dass die IG Metall über ihre Bezahlung in Metallbetrieben mit den Zeitarbeitsverbänden reden wird. Schon vor Beginn der nächsten Tarifrunde im Frühjahr 2012 will die IG Metall erweiterte Mitbestimmungsrechte erreichen. Betriebsräte sollen künftig über den Einsatz von Leiharbeitnehmern mitbestimmen können. Das gleiche gilt für Beschäftigte mit Werkverträgen.

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